Eine Schönheit im Verborgenen – die Violette Ständelwurz
aus der Serie „Natur vor der Haustür“. Texte & Bilder (c) Lothar Feisel
Viele naturbegeisterte Menschen wissen, auch im Burgwald wachsen Orchideen. Die ausgedehnten Bestände des Breitblättrigen Knabenkrauts locken alljährlich im Frühjahr zahlreiche Besucher zu den Orchideen-Wiesen im NSG Krämersgrund. Darüber hinaus bieten die kalkarmen, sauren Böden des Burgwalds nur einer überschaubaren Zahl weiterer Orchideen-Arten einen geeigneten Lebensraum. Eine mit wenigen Exemplaren auch im südlichen Burgwald vorkommende, aber kaum bekannte Art wurde durch die Arbeitskreise Heimische Orchideen Deutschlands (AHO) unlängst zur Orchidee des Jahres 2026 gekürt: die Violette Ständelwurz (Epipactis purpurata).
Im Dunkeln ist gut…wachsen…
Die 20-50 cm Höhe erreichende Art wächst bevorzugt innerhalb schattiger Laub- und Mischwälder, da sie nur wenig Licht aber eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit benötigt. Sie gehört zu den spät blühenden Orchideen-Arten und kommt erst im August zur Blüte. An geeigneten Standorten bildet sie einen langen, traubenförmigen Blütenstand, der aus zahlreichen Blüten zusammengesetzt ist. Der aufrechte Stängel, die wenigen kurzen Laubblätter, wie auch Teile der hübschen Einzelblüten sind mehr oder minder stark lila getönt. Im Inneren der Blüten wird in einer Art „Schüsselchen“ der Nektar aufbewahrt, welcher ganz bestimmte Insekten anlockt. Vor allem sind es Wespen, die sich an dem Nektar laben und nebenbei die Bestäubung der Pflanzen übernehmen. Bei älteren Pflanzen kann der Nektar in eine Gärung übergehen, was dazu führen kann, dass die Wespen nach übermäßigem Naschen benommen werden und zeitweise ihre Flugtauglichkeit verlieren.
Zartes Sensibelchen…
Generell eher im südlichen und mittleren Teil Deutschlands vorkommend, gehen die Bestände dieser Orchidee in einigen Bundesländern in den letzten Jahren deutlich zurück. Die Rote Liste Deutschlands verzeichnet die Art bereits in der „Vorwarnliste“. Ihre Vorkommen können besonders bei einer zu starken Auflichtung des Kronendaches durch intensive Forstwirtschaft dauerhaft Schaden nehmen. Ein verstärkter Lichteinfall verändert das Mikroklima und fördert den Pflanzenaufwuchs am Waldboden, was den Konkurrenzdruck für die empfindliche Blume erhöht. Es steht zu befürchten, dass sich auch der Klimawandel weiter negativ auf die Art auswirken wird.
Da Deutschland im Zentrum des Verbreitungsgebietes dieser auf Europa beschränkten Art liegt, trägt es für die Erhaltung der Violetten Ständelwurz und seiner Habitate eine hohe Verantwortung.
Text und Fotos: Lothar Feisel
